Im Folgenden finden sich einige Erläuterungen, um Entscheidungsprozesse zur Herangehensweise, zur Struktur der Userabfrage und zu der Art der Berechnungen des CO₂-Rechners transparent darzustellen. Da das Projekt bis dato von unregelmäßigen und unplanbaren Förderrunden abhängig ist, befindet es sich in laufender Entwicklung - so auch diese Transparenzerklärung. Das Music C•A•R•E•S Tool hat das Ziel zu ermöglichen, Musikveranstaltungen nachhaltiger umzusetzen – so schnell und einfach wie möglich. Dazu dient die Kombination aus einem CO₂-Rechner -um schnell und einfach Emissionen reduzieren oder vermeiden zu können-, aus der Berücksichtigung sozialer Nachhaltigkeit (wird aktuell erarbeitet) sowie einem Verzeichnis aus passenden Anbieterinnen. Das Anbieterinnenverzeichnis ist noch beispielhaft und es werden im Laufe des Jahres 2025 Kriterien für die Aufnahme in das Verzeichnis erarbeitet. Generell soll mit dem Tool sichtbar werden, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Musikveranstaltungen optimierbar und nachhaltigeres Handeln möglich ist.
Wir verfolgen mit der CO₂-Kalkulation eine pragmatische Herangehensweise, durch die die Nutzung des Tools dem realen Alltag von Veranstalter*innen zugute kommen soll - ein Einstieg in die komplexen Prozesse von Nachhaltigkeit und Berichterstattung bzw. Dokumentation dazu:
Unser Fokus liegt nicht auf einem hochdetaillierten CO₂-Rechner:
Bei der Erstellung des Rechners basieren die Entscheidungen zu den einzelnen Themenbereichen unter anderem auf frei verfügbarem Wissen, z.B. auf der Impact-Matrix von Cradle to Cradle (Quelle Stand: 11.09.23) sowie auf unseren jahrelangen Erfahrungen und Kontakten aus dem Berliner Musikveranstaltungsbetrieb. In Zusammenarbeit mit der Ökobilanzexpert*in von myclimate entwickelten wir das Modell (Formeln und passende Emissionsfaktoren) für die Pilotversion.
Innerhalb der Userabfrage werden Kriterien abgefragt, welche für Veranstalter*innen realistisch änderbar/umsetzbar sein sollen, sodass eine Hebelwirkung für sofortige Einsparungen von Emissionen angeregt wird. Von eher kleinen, unkommerziell geführten, aber sozial wertvollen Locations kann etwa nicht pauschal erwartet werden, dass sie ihre gesamte Infrastruktur mit nachhaltigen, aber teuren Innovationen überarbeiten. Wir konzentrieren uns in der Pilotversion zunächst auf die relevantesten Bereiche (Mobilität, Location, Catering, Merch); d.h. die Bereiche, die bezüglich Musikveranstaltungen am meisten Emissionen verursachen (Quelle: Stand 30.01.2025)- diese Logik setzt sich ebenso für die Unterbereiche fort (z.B. bei Location: Strom & Wärmeerzeugung).
Zusätzlich haben wir einige Themen inkludiert, die uns persönlich am Herzen liegen und auf die wir aufmerksam machen möchten; selbst wenn ihr CO₂ Impact gar nicht mal so gravierend ist (z.B. bei Location: Müll, der eigentlich eine kreislauffähige Ressource sein sollte, oder Wasser). Das Tool empfiehlt sich für die Nutzung vor, während und nach der Veranstaltungsplanung. Im besten Fall wird sie wiederholt genutzt, beispielsweise für Veranstaltungsreihen, sodass Daten und Erfahrungen gesammelt sowie eigene Ziele gesetzt und evaluiert werden können.
Das Tool berücksichtigt aktuell nur einige ausgewählte Emissionsquellen, was die Präzision der Berechnungen theoretisch einschränkt. Diese Einschränkung war zu Beginn auf die Machbarkeit innerhalb der ersten Förderrunde zurückzuführen. Eine vollständige Erfassung aller Emissionen eines Produktes oder einer Dienstleistung ist jedoch aufgrund der Komplexität und Variabilität von Faktoren wie Lieferketten oder indirekten Emissionen sowieso nicht möglich. Stattdessen verwenden wir Emissionsfaktoren, die den durchschnittlichen Lebenszyklus typischer Tätigkeiten und Produkte bei Veranstaltungen abbilden (Stand 2023). Mit den angebotenen Bereichen sind die relevantesten Themen momentan für uns zufriedenstellend abgedeckt soweit wir dies im Rahmen der bis dato erfolgten Förderungen realisieren können. Sollte eine genauere Erfassung der Bereiche oder der Einbezug neuer Bereiche zu einem anderen Zeitpunkt doch anvisiert werden, könnte dies z.B. durch Kooperation mit entsprechenden Institutionen möglich sein (etwa mit dem Umweltbundesamt, Kulturrechner des ANKM, myclimate). Die angezeigten Ergebnisse sind stets von vorab getroffenen Annahmen, der verfügbaren Datenbasis und nicht zuletzt von den individuellen Entscheidungen der Nutzer*innen, abhängig. Je nach Art der Veranstaltung hängt es davon ab, wo die Prioritäten zur Auswahl nachhaltiger Maßnahmen liegen (sollten). Daher sind alle Berechnungen mit Unsicherheiten behaftet. Diese Sachlage muss umso mehr für die Beispielwerte berücksichtigt werden: Die angebotenen Beispielwerte basieren auf einer begrenzten Datenlage und sind daher nur grobe Richtwerte ohne allgemeine Anwendungsgültigkeit. Die Werte sind zwar möglichst systematisch errechnet, stellen aber keine exakten Durchschnittswerte für jede punktuelle Gästeanzahl dar sondern bieten eine Orientierung. Sie sind nicht wissenschaftlich validiert und können signifikant von den tatsächlichen Emissionen abweichen.
In der Ergebnisansicht zeigt ein Donutdiagramm zunächst die anteilige Verteilung der CO₂-Emissionen (in kg) der in der Userabfrage wählbaren Bereiche Mobilität, Location, Merchandise und Catering (ob mit oder ohne Nutzung der Beispielwerte). Wurde ein Bereich ausgespart, also gar nichts ausgefüllt, werden automatisch Beispielwerte für den Bereich oder Unterbereich eingerechnet. Klickt man auf die einzelnen Bereiche in der 'Tabelle' der Ergebnisansicht, kann man sich genauer anzeigen lassen, wie die anteilige Verteilung der CO₂-Emissionen in kg innerhalb eines Bereiches aussieht. Hier in diesem Modus/in dieser Ansicht ist auch erkennbar, für welche Sub-Bereiche die Verwendung von Beispielwerten gewählt wurde (dies ist durch einen Stern an der kg-Anzahl markiert).
Es ist zunächst wichtig anzumerken, dass die hier verwendete Bezeichnung CO₂ nicht ganz präzise ist, da genau genommen CO₂-Äquivalente (CO₂e) mit eingerechnet sind. Die errechneten Werte beinhalten somit zusätzliche Treibhausgase, die für die bessere Verständlichkeit und Lesbarkeit bezüglich ihrer Wirkung in CO₂ umgerechnet und zusammengefasst werden (Quelle Stand 11.09.23). Die Formeln basieren auf wissenschaftlichen Methoden und wurden in Zusammenarbeit mit einer Ökobilanzexpertin von myclimate entwickelt. Die verwendeten Emissionsfaktoren für die Berechnungen stammen aus wissenschaftlichen Quellen und wurden uns von myclimate zur Verfügung gestellt (Stand 29.06.2023). Die genauen Quellen und Berechnungsgrundlagen der Emissionsfaktoren sind öffentlich zugänglich und wir können unsere Emissionsfaktortabelle bei Bedarf auf Anfrage auch herausgeben.
Wo nötig, haben wir die Emissionsfaktoren in Zusammenarbeit mit der Ökobilanzexpertin für das Music C•A•R•E•S Tool angepasst. Diese Emissionsfaktoren basieren demnach auf fundierten wissenschaftlichen Methoden und sind darauf ausgelegt, eine realistische Schätzung der CO₂-Emissionen für die jeweiligen Aktivitäten zu liefern. Sie sind teilweise unscharf und werden wo möglich auch wieder aktualisiert. Im Folgenden soll auf Besonderheiten von Berechnungen, Emissionsfaktoren und die damit zusammenhängenden Annahmen und Entscheidungen eingegangen werden, um unsere Herangehensweise transparent zu machen:
Mobilität& Transport - Gäste:
Mobilität & Transport - externe Technik & Infrastruktur:
Mobilität & Transport - Artists
Location - Strom
Location - Wärme
Location - Müll
Location - Wasser
Catering - Gäste & Crew Essen:
Catering - Gäste&Crew Getränke:
Merch - T-Shirts:
Merch - Platten:
Die Beispielwerte dienen in zweierlei Hinsicht:
Die einzelnen Beispielwerte in dieser Pilotversion basieren auf einer Mischung aus Datenakquise im Musikveranstaltungsnetzwerk und Open-Source-Daten von Locations und Veranstaltungen. Die Datenlage (aus Berliner Quellen) für die Beispielwerte wurde im Frühjahr 2025 durch erfasste Touringdaten aus der Masterarbeit von Kim Laber erweitert und verbessert, in dem die Beispielwerte mit deutschlandweiten Zahlen aus mehreren Veranstaltungen fundiert wurde. Den Nutzer*innen steht auch die Option einer Gesamtschätzung der Veranstaltung zur Verfügung, wenn sie die Anzahl der Gäste eingeben und für jeden Bereich die Funktion eines Beispielwertes auswählen.
Die jeweiligen Beispielwerte wurden stets für drei Veranstaltungsgrößen erstellt bzw. (um-)gerechnet. Auf diese Art wird verhindert, dass eine höhere Besucherzahl automatisch negativer bewertet wird.
Sonstige wissenswerte Annahmen und Hintergründe unsererseits zu verschiedenen Bereichen dienen wie folgt zur Berechnung der Beispielwerte:
In der aktuellen Pilotversion bezogen sich die Beispielwerte und die Einordnung im Tacho der Ergebnisansicht also zunächst explizit auf die Musikveranstaltungsszene in Berlin, nun sind wir dabei diese Teile von Music C•A•R•E•S zu erweitern und über Berlin hinaus anwendbar machen. Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Beispielwertthematik bereits auf Deutschland erweitert (Stand 14.04.25). Inwiefern das Ganze europaweit nutzbar zu machen ist ist, erarbeiten wir im Laufe des Jahres 2025. Das Tool steht jedoch selbstverständlich bereits auch Akteur*innen außerhalb Berlins und Deutschland zur Verfügung, um es zu testen.